Ablauf einer Räumung
Die in den allgemeinen SOP der Handentminung vorgeschlagenen Markierungen,
Kennzeichnungen, Warntafeln, Sicherheitsgürtel und Sicherheitsabstände
werden entsprechend den Standards übernommen, umgesetzt und eingehalten.
Die Details dieser Vorschriften werden hier nicht genauer beschrieben,
da sie als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.
Das KMMCS arbeitet in zwei Arbeitsschritten:
1. Mechanische Minenräumung durch Auslösen oder Zerstören von funktionsfähigen
und nicht funktionsfähigen Minen und anderen explosionsfähigen Kampfstoffen
aller Art (Panzerfäuste, Handgranaten, Kleinraketen etc) mit den Fräsen
der Maschinen I oder II. Dabei ist bereits auf dem Anfahrtsweg in
Minenverdachtsfläche mit abgesenkter Fräse von mindestens 20 cm Bodentiefe
zu fahren.
2. Interne Qualitätskontrolle mit Nachsorge der entminten Fläche (visuelle
Nachsuche ohne Bodenkontakt der Personen und Entfernung zerschredderter
Minenreste) mit Maschine III und den Anbaugeräten Scheibenegge und
Ringelwalze.
Vom Auftragggeber werden Minenverdachtsflächen und Minenfelder durch
Angabe der Koordinaten oder durch Landmarken genau benannt.
Auf den Minenverdachtsflächen fräst die Maschine I oder Maschine II
einmal.
Auf Minenfeldern, d.h. wo mehrere Minen räumlich eng beieinander gefunden
wurden, wird aus Sicherheitsgründen 2× gefräst.
Sowohl Minenverdachtsflächen als auch Minenfelder werden mit anschließender
Interner Qualitätskontrolle behandelt. Minenverdachtsflächen werden
einmal mit der Maschine III kontrolliert, Minenfelder mehrmals.
Die eingesetzten Maschinen I, II und III
Maschine I und Maschine II zerstören explosive Kampfmittel
Maschine I und Maschine II sind baugleich. Sie werden auf Minenfeldern
zumeist gemeinschaftlich als Räumeinheit eingesetzt, so dass im Fall
eines Maschinenversagens gegebenfalls die defekte Maschine durch die
andere Maschine gefahrlos vom Minenfeld gezogen werden kann.

Diese Maschine ist mit einer 3 Meter breiten Doppelfräse mit Drehrichtung
entgegen der Fahrtrichtung ausgestattet, die mit einer Arbeitsgeschwindigkeit
von 1-3 km/h je nach Bedarf genau vordefiniert standardmäßig bis 50
cm Bodentiefe arbeiten kann.
Sämtliche detonationsfähige Minen werden dabei gezündet.

Nicht gezündete, beschädigte Personenminen und Panzerminen - und auch
fußballgroße Steine, Betonteile, Baumstümpfe, Büsche und ähnliche
Hindernisse - werden zerstückelt.



Die Vegetation wird dabei gleichmäßig in die eingestellte Bodentiefe
gemischt.

Zur Verdeutlichung wurde hier eine auf die Bodenoberfläche gelegte
Schicht Holzspäne auf 100 cm Tiefe eingearbeitet, um die Arbeit der
Krohnschen Tiefenfräse darzustellen. Die Grundlinie ist der gewachsene
Boden, die hellen Einsprengsel im Erdreich sind die Holzspäne.
Die UN Forderung zur Arbeitstiefe der Handentminer ist 20 cm, unsere
Maschine übererfüllt mit den bis zu 50 cm Arbeitstiefe diese Forderung
um mehr als das Eineinhalbfache zusätzlich.


Durch die Fräse mit der Arbeitsbreite von 3 m wird das Minenfeld in
50 cm überlappenden Streifen mit dem kompletten Volumen durchgefräst.
Das Befahren des Minenfeldes oder einer Minenverdachtsfläche darf
nur bei mindestens 20 cm tief abgesenkter Fräse erfolgen.

Es hat sich gezeigt, dass nur ein kleiner Teil der Panzerminen überhaupt
detonieren, weil unsere Arbeitswerkzeuge die Minen von unten zertrümmern,
bevor die immer obenliegenden Zünder auslösen können.
Unsere Maschinen schützen das Bedienpersonal vor der Detonationswirkung
von Panzerminen bis zu einer Detonationskraft von mehr als 10 kg TNT
äquivalent, die bislang bekannten stärksten Panzerminen haben zumeist
eine Detonationskraft von 5-7 kg TNT äquivalent, sehr selten 10 kg
TNT äquivalent.


Vor der Maschine explodierte eine Hohlladung von 6 kg TNT äqivalent
ohne die Maschine zu beschädigen.
Gelegentlich vorhandene Minen mit besonders dickem Mantel (ca. 1 cm
Gußstahl) sind jetzt bereits sämtlich von ihrem äußeren Zündauslöser
getrennt, werden aber gelegentlich nicht mechanisch vollständig zertrümmert.

Diese UXOs (UXOs - unexplosive objects, hier sogenannte MUXOs) mit
dickem Stahlmantel und mit mechanisch bereits abgerissenem Zündmechanismus
werden in einem weiteren Arbeitsgang, der "Internen Qualitätskontrolle
mit Nachsorge" eingesammelt und entsorgt, um eine Wiederverwendung
zu verhindern.
Maschine III (Begleitmaschine) zur Qualitätskontrolle

Diese Maschine dient als Fahrzeug für die interne visuelle Qualitätskontrolle
und unterstützt die Maschinen I und II im Schadensfall. Die Maschine
III darf nur auf von Maschine I oder Maschine II gefrästem Boden fahren.
Die Maschine III kann auch ein von dieser Abbildung abweichendes Erscheinungsbild
haben.
Interne Qualitätskontrolle mit Nachsorge
Nach der mechanischen Räumung durch die Maschinen l oder II sind SÄMTLICHE
Minen und UXOs zerstört. Der Sicherheitsgrad ist jetzt schon über
99,9%.
Zur Sicherheit wird eine "Interne Qualitätskontrolle mit Nachsorge"
durchgeführt.
Dabei wird mit einer mechanischen Bodenbearbeitungsmaschine gearbeitet,
die an die jeweiligen Bodenverhältnisse jedes einzelnen Projektes
angepasst sein muss. Als Standardgerät wird festgelegt:
An Maschine III wird eine Kombination einer Telleregge (Wenden des
Bodens und Aufdecken von verdeckten Minenresten) und einer Ringelwalze
(Zerkleinern von Erdklumpen und zum Glätten der Fläche) angekoppelt.
Am hinteren Ende der Kombination ist über die gesamte Breite von 3
Metern eine Plattform mit 3 Sitzen angeordnet, von der aus 3 Kontrolleure
bei jedem Arbeitsgang einen 5 Meter breiten Geländestreifen visuell
kontrollieren können, ohne den Boden zu betreten. Verdächtige Teile
an der Oberfläche werden mit Sprühfarbe deutlich markiert. Der Operation's
Supervisor identifiziert die Fundstücke und entscheidet über deren
Entsorgung nach den vor Ort geltenden Vorschriften.
Soweit erforderlich wird das Fundstück erneut mit der Maschine l oder
II mechanisch zerstört.
Die als Minenfeld identifizierte Fläche wird mehrmals mit dem Kombinationsgerät
bearbeitet und abgesucht.
Damit wird die Fläche gleichzeitig zur Einsaat vorbereitet.
Sollte die Abnahmekontrolle einen Räumfehler, d.h. eine Mine mit intaktem
Zünder oder ein gefährliches Teil entdecken, das bei Berührung oder
unter Druck (Misshandlung) explodieren könnte, so ist dieses Teil
zu markieren und eine der Maschinen wird diese Fläche noch einmal
überfahren. Erfolgt eine Explosion, lag tatsächlich ein Räumfehler
vor und ein Gebiet von 1 ha um diesen Punkt herum wird noch einmal
bearbeitet. Gab es keine Explosion, lag auch kein Räumfehler vor.
Die Abnahmekontrolle zertifiziert die Fläche als frei von gefährlichen
Kampfstoffen.
Nach dieser "Internen Qualitätskontrolle mit Nachsorge" wird die Fläche
dem Auftraggeber zur Endabnahme als minenfrei gemeldet.
Die externe Endabnahme durch den Auftraggeber kann auch bereits beim
letzten Arbeitsgang der Internen Qualitätskontrolle mit erfolgen.
Damit wird die gesamte Fläche von 100% vom Beauftragten des Auftraggebers
kontrolliert und nicht nur Stichproben der Fläche von 5-10% wie bei
der Handentminung.
Die Arbeitsgeschwindigkeit der Maschine III beträgt bis zu 6 km/h,
die Arbeitsbreite beträgt 3 Meter. Das Feld ist nun frei von Minen
und gefährlichen Kampfstoffen und kann von Autoritäten wie dem Mine
Action Center zertifiziert werden.